Archiv für die Kategorie ‘Reg.Oberfranken Kultur’

„Kriegsende aus der Sicht eines Kindes“

Freitag, 09. Oktober 2009

Brita von Schönberg las im Stadtturm aus ihrem Buch „Anna, die Grenzgängerin“. Darin arbeitet die ehemalige Studienrätin ihre Erlebnisse, Flucht und Neuanfang, auf.

Zur Buchlesung am Mittwoch, dem 7. Oktober 2009 trafen sich zahlreiche interessierte Gäste im Stadtturm ein. Nicht nur passend zu den Feierlichkeiten, anlässlich 60 Jahre Bundesrepublik und 20 Jahre Mauerfall, verbunden mit dem Tag der Einheit, bot diese Veranstaltung etwas Besonderes. Organisiert in Zusammenarbeit von KIS und Stadtbücherei, hatte man ein Datum gewählt, welches auch noch der frühere Jahrestag der DDR war (Tag der Republik) und 60 Jahre DDR bedeuten würde (… wenn es sie noch gäbe).

In einer herzlichen Begrüßungsrede sprach Hermann-Heinrich Hacker, 1. Vorsitzender der Kultur-Initiative Bad Staffelstein (KIS) seinen Dank den Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei und Herrn Pauser, Leiter des Arbeitskreises Literatur aus, bevor er mit einem ganz besonderen Willkommen und Dank das Wort an Brita von Schönberg übergab. Frau von Schönberg ist Studiendirektorin im Ruhestand und ist seit einiger Zeit Bürgerin der Stadt Bad Staffelstein.

In ihrem Buch „Anna, die Grenzgängerin“ beschreibt sie ihre traumatischen Erlebnisse bei Kriegsende 1945 aus der Sicht einer Fünfjährigen. In verschiedenen Passagen ihrer Lesung stellt sie den Zuhörern Einzelheiten und Zustände der damaligen Zeit vor, die man sich heute kaum noch vorstellen kann.
Ausdrucksstark schildert sie Flucht und Neuanfang mit Mutter und Schwester. Die Gedanken und Sorgen über ihre jüngere Schwester Ilse, sie war damals gerade 1 ½ Jahre alt, und die große Angst, sie zu verlieren, denn Ilse konnte noch nicht sagen wer sie ist und so hätte auch kein Suchdienst des Roten Kreuzes helfen können.

Durch die Teilung Deutschlands wird ihre Familie getrennt. Die Autorin erfährt die politische und wirtschaftliche Realität des Nachkriegsdeutschlands in Ost und West.

Sie spricht über die Versorgungslage und erläutert ungeschminkt das Chaos, welches überall herrschte. Hausschneiderinnen hatten Hochkonjunktur - Patchwork aus alter Bettwäsche - das unvergessliche Gefühl gekräuselter Wolle in mehrfach verarbeiteten Stricksachen. Der Mangel wurde verwaltet mit Lebensmittelkarten, nach Farben für Gruppen sortiert. Es gab Bezugsscheine - wehe, wenn einer verloren ging. Statt Fleisch gab es Hering, statt Leberwurst gab es Hering, statt Schmalz gab es Hering … kein Wunder, wenn man eine Aversion gegen Hering entwickelte. Für Lebensmittelkarten musste man polizeilich gemeldet sein - usw.

Brita von Schönberg beschreibt die Zeit sehr lebendig und im Gesicht mancher Zuhörer kann man Nachdenken und bejahendes Nicken entdecken.

Sie erzählt über die Flucht im Juli 49 aus Sowjetzone und ihre weiteren Erfahrungen im Westen. Wie notwendig und wichtig das Führen eines Ausgabenbuches war, was sie schon bei ihrer Mutter gelernt hatte. Und von ihrer Zeit als Verkäuferin bei Karstadt und viele weitere Erfahrungen, wie sie sich durch Mangel auch selbst besser kennen gelernt hat.

Trotz allem gelingt es ihr - nicht zuletzt durch die Wende 1989 - ihre schweren Erlebnisse zu überwinden. Sie möchte allen Betroffenen Mut machen, sich mit ihrer eigenen Lebensgeschichte auseinanderzusetzen und daraus - wie sie - Gewinn zu ziehen. Sie sieht ihr Buch auch als ein Gedenkbuch und es soll Menschen ihres Alters helfen und Kräfte mobilisieren.

Nach der Lesung beantwortete Frau von Schönberg noch Fragen und signierte ihre Bücher.

©Christine Lindner für “Fränkischer Tag”


Ein Dankeschön für Brita von Schönburg - ©Foto Christine Lindner

Autoren-Porträt von Brita von Schönberg:
Brita von Schönberg wurde 1940 in Hildesheim geboren. Abitur 1960 in Wilhelmshaven. Sie studierte Germanistik und Alte Sprachen in Marburg, München, Tübingen und in Aix-en-Provence (Frankreich).
Von 1969 bis 1974 lehrte sie an der Gesamtschule Wolfhagen (Kreis Kassel). Für eine Tätigkeit im Lektorat für deutsche Sprache an der Universität Bangor (Großbritannien) wurde sie von 1974 bis 1977 beurlaubt. Bis die Studiendirektorin im Jahr 2000 in den Ruhestand eintrat, war sie an verschiedenen Gymnasien in Bayern und Sachsen tätig.


Brita von Schönburg im Gespräch - ©Foto Christine Lindner


Brita von Schönburg beim Signieren ihrer Bücher -
©Foto Christine Lindner

Brita von Schönberg
Anna, die Grenzgängerin
Versuch eines Kriegskindes, schwere Erlebnisse zu bewältigen.
Ein deutsch-deutsches Schicksal.
2009 - 200 Seiten - Pb.
Preis: 11,80 Euro
ISBN 978-3-89950-460-6
Verlag: edition fischer

Die Ästhetik des Unsichtbaren

Montag, 21. September 2009

Photokünstler Stefan Diller aus Würzburg

Pflanzenoberflächen unter dem Elektronenmikroskop - eine besondere Kunst- und Photoausstellung der Kultur-Initiativer Bad Staffelstein in Alter Darre und Stadtturm vom 20.9.2009 bis 10.10.2009.


Stefan Diller im Gespräch mit Ausstellungsbesuchern vor dem Bild „Anis“ Pimpinella anisum - Junge Blüte mit doppeltem Fruchtknoten und noch eingerollten Staubblättern. - © Foto Christine Lindner

Schon der Titel der Ausstellung macht neugierig und die zahlreichen Besucher der Vernissage am 19.9.2009 kamen voll auf ihre Kosten. Fast schon einem AHA-Erlebnis gleich, wird man beim Betreten der Räumlichkeiten, von den Motiven magisch in einen Bann gezogen, der normalerweise dem menschlichen Auge verborgene Einsichten und Ansichten pflanzlicher Ultrastrukturen gewährt.

Musikalisch wurde die Vernissage durch das Ensemble „Flauto Con Brio“ mit Susi Schliefer und Ann-Kristin Steiner nicht nur umrahmt, sondern die beiden Flötistinnen unterstrichen mit diesem Musikgenuss auch gekonnt die Ausdruckskraft der Bilder.

In seiner Eröffnungsrede bedankte sich Hermann-Heinrich Hacker, 1. Vorsitzender der Kultur-Initiative Bad Staffelstein (KIS) bei Stefan Diller, der bereits 2006 sein „Zwillingsprojekt“ in Alter Darre und Stadtturm zeigte, für den erheblichen Aufwand, welchen die Ausrichtung einer solchen Ausstellung erfordert und freut sich ganz besonders darüber, dass diese außergewöhnlichen Arbeiten, nach Berlin und Graz, nun auch in Bad Staffelstein zu sehen sind.
Als Gastgeschenk der besonderen Art möchte er aber keine Blumen überreichen, sondern das Bild „Marienblatt/Frauenminze“ (welches auch auf dem Plakat zur Ausstellung zu sehen ist) für die KIS käuflich erwerben. Somit wird es für Künstler und KIS zu einer bleibenden Erinnerung werden.
Nach einem herzlichen Dankeschön an alle Beteiligten gibt H. Hacker noch einige Hinweise zu den weiteren Aktivitäten der KIS, zu welchen auch das Jahresprogramm 2010, mit den KIS-Kulturtagen vom 23.4. bis 25.4.2010 gehört.

Rosi Jörig, die Leiterin des Arbeitskreises Photografie der KIS, bedankte sich ebenfalls für die Realisierung dieser beeindruckenden Ausstellung und machte die Besucher mit dem neu gegründeten AK Photografie bekannt, der u.a. eine weitere Belebung mit dem geplanten Projekt „Wie siehst Du Deine Stadt“ besonders die Jugend ansprechen möchte.

Als Höhepunkt der Vernissage sprach der Würzburger Photograf Stefan Diller über sein Werk und die Entstehungsgeschichte. Was 1984 in Kronach einmal als Hobby begann, hat er in den letzten beiden Jahren mit viel Zeit- und Geräteaufwand in Würzburg in professionelle Bereiche gebracht: ein eigenes Labor für wissenschaftliche Photographie mit Raster- und Transmissionselektronen¬mikroskopen.

In seiner freien Zeit nutzt er die Geräte für sein Projekt „Kräuter aus dem Botanischen Garten Würzburg“. In Ethanol entwässert, dann getrocknet – Stefan Diller nennt das „unter Strukturerhalt Kritisch-Punkt-Trocknen“ –, mit Gold oder Platin hauchdünn überziehen bzw. „bedampften“ und schließlich unter Hochspannung (zwischen 1.000 und 30.000 Volt) in einer monströsen Apparatur einem fein gebündelten Elektronenstrahl aussetzen, dessen Durchmesser einen lächerlichen Millionstel-Millimeter (1 nm = Nanometer) aufweist … genau genommen könnte man es auch essen, denn es handelt sich mehr oder weniger um gewöhnliche Küchenkräuter, wie Petersilie, Sauerampfer, Senf, Estragon, Dill, Huflattich usw..
Unter dem Rasterelektronenmikroskop muss man sich das dann wie bei einem Scanner vorstellen. Zeile für Zeile wird der Elektronenstrahl über das goldige Präparat gelenkt. Die Elektronen werden reflektiert und von Detektoren wieder eingefangen. Diese erzeugen daraus entsprechende Helligkeitswerte, Bildpunkt für Bildpunkt, Zeile für Zeile.

Dass dies unter Umständen auch meditative Ausmaße annimmt, kann man Stefan Diller in Anbetracht von Scanzeiten bis zu 11 Stunden pro Motiv glauben.

Die so gewonnenen schwarz-weißen Bilder werden schließlich digital coloriert. Diese Colorierung ist allerdings nicht wissenschaftlich begründet, sondern soll die Motive für den Betrachter ansprechender gestalten und ihm vielleicht eine Brücke ins Bekannte bieten.
Zu den 50 x 70 cm großen Abzügen ist jeweils eine kurzen botanischen Beschreibungen zu finden und um eine Einschätzung der Größenverhältnisse des Abgebildeten zu ermöglichen werden die Endvergrößerung des Bildes und die jeweilige Größe des Bildfeldes angegeben.

Geboren wurde Stefan Diller in der oberfränkischen Stadt Kronach.
Nach dem Besuch von allgemein bildenden Schulen 1978 Abschluss mit Allgemeiner Hochschulreife.
Besuch der “Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie” in München von 1979 bis 1981 bis zur Gesellenprüfung im Photographen-Handwerk.
Anschließend Rückkehr nach Kronach und Beginn selbständiger Arbeit als Bildjournalist und Photograph.
1986 Meisterprüfung im Photographen-Handwerk und Gründung eines Fachlabors für Color- und Schwarzweiss-Photographie in Kronach.
1993 Ausbildung zum Privatpiloten (PPL-A) und im darauf folgenden Jahr Luftbild-Photographie von Städten und Dörfern.
1994 Aufbau eines Labors für Wissenschaftliche Photographie, speziell im Bereich Raster- und Transmissionselektronenmikroskopie.
1999 Umzug mit der Familie und dem Labor für SW-Photographie und Wissenschaftliche Photographie nach Würzburg.

Im Gespräch mit Stefan Diller ist die Liebe zu seiner Arbeit zu spüren und bei seinen Worten „Ich habe die Lizenz zum Schneiden im Botanischen Garten“ huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Auch wenn es manchmal sehr „knifflig“ wird, so ist die Freude am Ergebnis desto größer.

Eine außergewöhnliche und beeindruckende Ausstellung, die nicht nur für Fotobegeisterte besonders empfehlenswert ist und eine Ausweitung des visuellen Horizontes weit über die reine Informationsaufnahme hinaus ermöglichen kann.

Alle ausgestellten Bilder sind verkäuflich und in verschiedenen Größen bis maximal 100 x 150 cm erhältlich.

Öffnungszeiten:
Donnerstag, Samstag, Sonntag jeweils von 14:00 - 18:00 Uhr.

©Christine Lindner für “Fränkischer Tag”

Kunst und Kultur im Landkreis Lichtenfels

Donnerstag, 27. August 2009


Foto © Christine Lindner

KUNST und KULTUR INITIATIVE LICHTENFELS - KuKI
Kultur-Initiative-Staffelstein e. V. - KIS

Nach der Jahresausstellung 2007 kamen einige der mitwirkenden Künstler und Hobbykünstler aus Lichtenfels und Umgebung zusammen, um sich in Eigenregie für die Förderung von Kunst und Kultur in der Region einzusetzen.
Dem besonderen Engagement von Helga Blomeier war und ist es zu verdanken, dass für künstlerische Aktivitäten und Diskussionsrunden im Raum Lichtenfels ein attraktiver Rahmen geschaffen wurde.
In monatlichen Treffen nahm diese Initiative rasch Formen an und bekam ihren Namen: KUNST und KULTUR INITIATIVE LICHTENFELS - kurz KuKI - und veranstaltete erste Workshops. Durch das große Interesse an solchen Workshops werden diese ab Herbst 2009 wieder regelmäßig organisiert.
Ein Domizil für die Ausstellung der Werke hat die Initiative seit Sommer 2008 in der Galerie in der Spitalpassage gefunden.

Zu der vergleichsweise jungen KuKI besteht die Kultur-Initiative-Staffelstein e. V. (KIS) bereits seit 1996. Idee und Motivation wurden von René Beifuß ausgelöst, und wie immer, wenn sich kreative Menschen neuen und interessanten Aufgaben stellen bei denen es nicht nur um die eigene Selbstverwirklichung geht, wurde eine Struktur für diese Initiative erarbeitet und mit der Vereinsgründung am 6.12.1996 beschlossen.
Verschiedene Arbeitskreise (Kunst, Musik, Stadtkultur, Frauen, Film, Foto, Literatur, Stadtgeschichte und Theater) geben dem Verein eine eindeutige Gliederung. Ein weiteres Ziel der KIS besteht darin, interessante Kulturveranstaltungen jeglicher Art, zu erschwinglichen Preisen, im Bereich der Stadt Staffelstein anzubieten. Zu diesem Zweck, sowie für Ausstellungen und Veranstaltungen wurde das kulturhistorisch bedeutende Ensemble, Alte Darre und der Stadtturm (Bamberger Torturm) in der Bamberger Strasse durch den Verein von der Stadt angemietet. Seit Frühjahr 2009 ist Hermann-Heinrich Hacker 1. Vorsitzende der KIS.

Angenehm ist, dass sich diese Initiativen nicht als Konkurrenz sehen, sondern ein reger Austausch und Kontakte zwischen beiden, nicht nur neue Ideen der Künstler und Hobbykünstler beflügeln. So sind z.B. in der Sommerausstellung der KIS, mit dem interessanten Titel: IRRITATIONEN, Arbeiten von Mitgliedern beider Initiativen zu bestaunen (die Ausstellung läuft noch bis zum 6. September; Öffnungszeiten jeweils Donnerstag, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr).

Wir finden, es ist an der Zeit, die Aktivitäten dieser engagierten Künstler und Hobbykünstler einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. In den kommenden Wochen werden sich an dieser Stelle einige Mitglieder der KuKI sowie der KIS, persönlich mit ihren Werken vorstellen.

Kontaktpersonen:
KuKI: Helga Blomeier
E-Mail: fam.blomeier@t-online.de
KIS: Hermann-Heinrich Hacker
E-Mail: Hermann-Heinrich.Hacker@t-online.de

© Christine Lindner für „Fränkischer Tag“

(die einzelnen Beiträge finden Sie unter “Region Oberfranken”)

Auf den Spuren von J. Viktor von Scheffels

Dienstag, 28. Juli 2009

Als ich am Mittwoch den Auftrag bekam, über eine Literarische Wanderung einen Artikel zu schreiben, freute ich mich im ersten Moment sehr darüber.
Im zweiten Moment dachte ich: Welch eine Herausforderung!
Ich interessiere mich zwar für Literatur, doch DER Fachmann bin ich auf dem Gebiet nicht. Nun ja, wie sagt man so treffend: der Mensch wächst mit seinen Aufgaben!
Und für jemanden, der immer Interesse an Neuem hat und immer wieder etwas lernen möchte, kommt solch eine Aufgabe wahrscheinlich genau recht.

Manch Einer könnte auch auf den Gedanken kommen: die ist doch fremd hier, wie kann sie über unsere Heimat schreiben?
Vielleicht gerade deswegen!
Vielleicht ist es ja nicht uninteressant, die Heimat auch einmal aus der Sicht eines nicht mehr ganz Fremden (in der neuen Heimat) zu erleben. Noch dazu, wenn er sich für die Geschichte seiner neuen Heimat interessiert.
Nicht nur Scheffel war von dieser wunderschönen Gegend beeindruckt und fühlte sich hier wohl.

Für mich war diese Wanderung eine interessante Erfahrung und Bereicherung – vielen Dank an Herrn Motschmann und Herrn Seitz. Nachfolgend mein Beitrag, geschrieben für den „Fränkischen Tag“.


Staffelberg

Wo Scheffels Schwermut schwand

Literarische Wanderung auf den Staffelberg mit Dipl.-Theol. Josef Motschmann

Im Rahmen des Sommerprogramms 2009 veranstaltete das Colloquium Historicum Wirsbergense e. V., kurz CHW, am Freitag, dem 24.7.2009 eine „LiteraTOUR“ zum Staffelberg. Treffpunkt war 18 Uhr auf dem Parkplatz am Friedhof in Bad Staffelstein.

Welch großes Interesse an dieser Wanderung bestand, zeigte sich an der Anzahl der Teilnehmer(innen). Ca. 50 Personen konnte Herr Dipl.-Theol. J. Motschmann begrüßen und auch der Vertreter des CHW, Herr Dr. Richard Seitz aus Bischberg, bekundete seine Freude über die rege Teilnahme. Nach einer kurzen Erläuterung zu diesem großen fränkischen Geschichtsverein, welcher alljährlich an rund 40 Orten weit über 100 Vorträge und Exkursionen veranstaltet, ging die erste von drei Etappen dieser Wanderung über die Autobahn in Richtung Staffelberg.


Beim ersten Halt

Auf dem kleinen Platz neben der Tafel 4 „Opalinumton und Hangrutsch“ versammelte sich die Gruppe zum ersten Halt um Herrn Motschman und er machte die Teilnehmer mit einigen Stationen aus dem Leben Joseph Viktor von Scheffel vertraut:

Scheffel wurde am 16.2.1826 in Karlsruhe geboren.
Bis 1843 besuchte er das Lyzeum seiner Heimatstadt. Im Anschluss studierte er auf Drängen des Vaters, einem badischen Offizier, in München, Heidelberg und Berlin Rechtswissenschaften. Scheffels künstlerischen Neigungen entsprechend, wäre er aber lieber Maler geworden.
1843 war auch der Beginn ausgedehnter Wanderungen und Fahrten, zunächst in die Alpen; 1845 auf der Reise von München nach Berlin auch ein Kurzaufenthalt am Obermain.
1854 verlässt er die Juristenlaufbahn, nachdem auf seiner Italienreise im Jahr 1853 sein im darauf folgenden Jahr veröffentlichter Epos „Der Trompeter von Säckingen“, entstand. 1855 gefolgt von dem historischen Roman „Ekkehard“. Beide Texte bildeten den Beginn von Scheffels Aufstieg zu einem der beliebtesten deutschen Schriftsteller. Zu seinen Wohnorten zählten München, Heidelberg, Donaueschingen. Reisen und längere Aufenthalte in Italien und am Bodensee.
Der Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar hatte ihn ermuntert, einen Wartburg-Roman zu schreiben. Um sich von den Anstrengungen seiner Vorstudien in Wien und Thüringen zu erholen, traf er am 11.7.1859 in Coburg ein und gelangte zu Fuß nach Schloß Banz. Scheffel war damals schwermütig und dieser Aufenthalt sollte seiner seelischen und körperlichen Gesundung dienen. Von seinen ausgedehnten Wanderungen nach Staffelstein berichtete er in eindrucksvollen Briefen seiner Mutter vom sonnenvergoldeten Maintal.

Nachdem die erste Etappe der Wanderung noch einem Spaziergang ähnelte, forderte der Weg zum zweiten Etappenziel das Wanderherz schon mehr. Etwas verborgen, neben dem Weg findet man das Scheffel-Denkmal.


Scheffel-Denkmal

Es ist ein großer Riffdolomit-Felsblock, welcher aus der Riffstufe des Staffelberges stammte. Ein Felssturz lies den Block bergabwärts, an den jetzigen Standort, rollen. Hier berichtete Herr Dipl.-Theol. J. Motschmann aus dem weiteren Leben Scheffels:

Der Dichter und Schriftsteller weilte im Sommer 1859 zwei Monate auf Kloster Banz. Seine Wandereindrücke durch das Maintal mit seinen Seitentälern schlugen sich in dem bekannten Frankenlied „Wanderfahrt“ nieder. Später wurde es vom Würzburger Chormeister Valentin Becker (1814 – 1890) volkstümlich vertont. In der 3. Strophe beschreibt er die Region um Bad Staffelstein als den “Gottesgarten am Obermain”. Die 4. Strophe ist auch auf dem Denkmal zu lesen.
Im Jahr 1860 erkrankte Joseph Viktor von Scheffel schwer. Danach lebte er in Karlsruhe.
Am 22.8.1864 heiratete er Caroline von Malzen, die Tochter des bayrischen Gesandten am badischen Hof in Karlsruhe. Im Jahr 1867 wurde sein Sohn Victor geboren, fast zeitgleich mit seiner Scheidung nach nur 3-jähriger Ehe.
1872 zog er sich in seine Villa am Bodensee zurück.
Als volkstümlichster Dichter der Zeit nach 1848 wurde Viktor Scheffel zu seinem 50. Geburtstag 1876 vom Reichskanzler Bismark und dem badischen Großherzog in den Adelsstand aufgenommen, seither „von Scheffel“.
Joseph Viktor von Scheffel starb im Alter von 60 Jahren, am 9.4.1886 in Karlsruhe.

Die letzte Etappe der „LiteraTOUR“ führte in einem steilen Anstieg auf das markante, weithin sichtbare Hochplateau des Staffelberges, der mit seinen 539 m über dem Meeresspiegel zu den beliebtesten Ausflugszielen der Region zählt.
Am Gipfelkreuz sangen die Teilnehmer(innen) der Wanderung gemeinsam alle sechs Strophen des Frankenliedes. Schöner kann das Obere Maintal, der „Gottesgarten“, wohl kaum beschrieben werden. Eine sehr interessante Wanderung, bei der Geist und Körper gleichermaßen auf ihre Kosten kamen.

©Christine Lindner für “Fränkischer Tag”


Die zahlreichen Teilnehmer(innen) der Literarischen Wanderung unter der Leitung von Dipl.-Theol. Josef Motschmann beim letzten Anstieg zum Staffelberg


Zum Abschluss der Wanderung sangen die Teilnehmer(innen) am Gipfelkreuz des Staffelberges gemeinsam das Frankenlied


„Gottesgarten-Blick“ - wohl einer der schönsten Fernblicke dieses Sommers


Die Teilnehmer(innen) auf dem Weg zur Adelgundiskapelle


Blick vom Hochplateau in Richtung Vierzehnheiligen


Auf dem Hochpateau


Adelgundiskapelle


Auf dem Weg unterhalb des Staffelberges


Unterhalb des Staffelberges - Blick ins Maintal und Kloster Banz

©Fotos Christine Lindner

Das Lied der Franken
1. Wohlauf die Luft geht frisch und rein, wer lange sitzt muss rosten; den allerschönsten Sonnenschein lässt uns der Himmel kosten. jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid der fahrenden Scholaren, ich will zu guter Sommerzeit ins Land der Franken fahren!
Valerie, valera, valerie, valera, ins Land der Franken fahren.
2. Der Wald steht grün, die Jagd geht gut, schwer ist das Korn geraten; sie können auf des Maines Flut die Schiffe kaum verladen. Bald hebt sich auch das Herbsten an, die Kelter harrt des Weines; der Winzer Schutzherr Kilian beschert uns etwas Feines.
Valerie, valera, valerie, valera, beschert uns etwas Feines.
3. Wallfahrer ziehen durch das Tal mit fliegenden Standarten; hell grüßt ihr doppelter Choral den weiten Gottesgarten. Wie gerne wär’ ich mitgewallt, ihr Pfarr’ wollt mich nicht haben! So musst ich seitwärts durch den Wald als räudig Schäflein traben.
Valerie, valera, valerie, valera, als räudig Schäflein traben.
4. Zum heil’gen Veit von Staffelstein komm’ ich empor gestiegen und seh’ die Lande um den Main zu meinen Füßen liegen. Von Bamberg bis zum Grabfeldgau umrahmen Berg und Hügel die breite, stromdurchglänzte Au ‘ ich wollt’, mir wüchsen Flügel.
Valerie, valera, valerie, valera, ich wollt mir wüchsen Flügel.
5. Einsiedelmann ist nicht zu Haus, dieweil es Zeit zu mähen; ich seh’ ihn an der Halde draus bei einer Schnittrin stehen. Verfahrner Schüler Stoßgebet heißt: Herr, gib uns zu trinken! Doch wer bei schöner Schnittrin steht dem mag man lange winken.
Valerie, valera, valerie, valera, dem mag man lange winken.
6. Einsiedel, das war mißgetan, dass du dich hubst von hinnen! Es liegt, ich seh’s dem Keller an, ein guter Jahrgang drinnen. Hoiho! Die Pforten brech’ ich ein und trinke, was ich finde. Du heil’ger Veit von Staffelstein, verzeih mir Durst und Sünde.
Valerie, valera, valerie, valera, verzeih mir Durst und Sünde.
J. Viktor von Scheffel
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Nicht nur Schmetterlinge finden ins Paradies

Montag, 29. Juni 2009

Die positive Wirkung von Kunst und Musik auf die Psyche

Am Samstag, dem 27. Juni 2009 wurde in Kutzenberg die Galerie „Höhenrausch“ feierlich eröffnet. Gründerin ist Désirée Torday, die seit 2007 im Bezirksklinikum Obermain mit Leib und Seele als Ärztin in der Orthopädie tätig ist.

Bereits vor der offiziellen Eröffnung spielte die Künstlerin auf dem Flügel den Ungarischen Tanz von J. Brahms. In ihrem rosafarbenen, mit Perlen und Pailletten bestickten Abendkleid gab sie der Veranstaltung eine sehr romantische Note.


Eröffnungsrede der Künstlerin im Garten

Nach einer emotionalen Eröffnungsrede der Künstlerin, zu der u.a. Chefarzt Dr. med. Christoph Sommer anwesend war, führte sie die Besucher durch die verschiedenen Räumlichkeiten. Auf den zwei Etagen der zur Galerie umgestalteten Wohnhaushälfte sind alle bisherigen Werke der Künstlerin zu bewundern. Auch der Garten mit einer „Landschaftsmalerei“ in Form eines überdimensionalen Violinschlüssels ist in das Gesamtkonzept einbezogen.


Aus dem Salon mit Klavier und Malerei gelangt man in den Garten mit “Landschaftsmalerei” Violinschlüssel

Ein breites Spektrum verschiedener Techniken von Öl, Acryl, Aquarell und Graphitzeichnungen bis zu Portrait- und Aktzeichnungen lassen die Frage nach der Ausbildung aufkommen. Frau Torday betont, dass sie keinerlei künstlerische Ausbildung machte, sondern Autodidakt auf diesem Gebiet sei. Bereits im Alter von 10 Jahren unternahm Sie die ersten kreativen Versuche mit Bleistift und war begeistert von den Möglichkeiten durch „Verreiben“ einen besonders plastischen Ausdruck zu erreichen.
1981 begann die gebürtige Hannoveranerin mit dem Klavierunterricht und 1984, mit 13 Jahren, reifte der Wunsch Ärztin zu werden. Auf ihrem Weg ist sie der Kunst aber stets treu geblieben. Sie stellte ihre Werke bereits in verschiedenen Kirchen in Hannover und in der Dombibliothek in Hildesheim aus.


Die Künstlerin im Gespräch mit Besuchern vor dem Bild
“Metamorphose vor versteckter Erotik” 1996, Öl auf Leinwand,
150 x 100 cm

Sehr häufig sind Schmetterlinge in ihren Werken zu finden und sie erklärt, dass Schmetterlinge ein Symbol für das Paradies seien und auch als „fliegende Blumen“ bezeichnet werden. In verschiedenen Metamorphosen also als Sinnbild der Psyche zu verstehen sind.

Mit ihrer Galerie „Höhenrausch“ möchte die engagierte Künstlerin die Besucher, wie der Name schon sagt, quasi mit Kunst und Musik hochreißen und in gute Stimmung versetzen. Die positive Wirkung von Farben, Formen und Klängen sind Balsam für die Seele. Sie können Trost, aber auch Kraft und Energie spenden. Eine temporäre Ablenkung in Form von „Urlaub“ von Krankheit und Schmerz und die Heilung fördern.

Ergänzt wird die Galerie durch eine Humor-Parade, frei nach dem Motto, lachen ist die beste Medizin, finden sich im Erdgeschoß eine Reihe von Zitaten und Lebensweisheiten berühmter Persönlichkeiten, die die Seele berühren sollen.


Ein Raum widmet sich der Humorparade, denn lachen ist die beste Medizin

Désirée Torday ist leidenschaftliche Medizinerin aus Überzeugung und möchte mit ihren Werken in Kutzenberg eine Oase der Entspannung, im Sinne von ganzheitlicher Medizin schaffen. Die Bad Staffelsteinerin fühlt sich hier sehr wohl und nicht ohne Grund trägt diese Gegend den Namen “Gottesgarten” am Obermain.

Öffnungszeiten ab Juli 2009: sonntags von 15.00 bis 16.30 Uhr
Ebensfeld, Kutzenberg 31 d
Eintriff frei.


“Hochzeitstanz des Paradiesvogels”
2001
Öl auf Leinwand
80 x 120 cm


“Octobus”
1997
Öl auf Leinwand
80 x 150 cm


“Der Kampf ums Dasein”
Weise mir Herr Deinen Weg
1993/94
Graphitzeichnung
70 x 50 cm

©Christine Lindner für “Fränkischer Tag”
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