Archiv für Juli 2009

Auf den Spuren von J. Viktor von Scheffels

Dienstag, 28. Juli 2009

Als ich am Mittwoch den Auftrag bekam, über eine Literarische Wanderung einen Artikel zu schreiben, freute ich mich im ersten Moment sehr darüber.
Im zweiten Moment dachte ich: Welch eine Herausforderung!
Ich interessiere mich zwar für Literatur, doch DER Fachmann bin ich auf dem Gebiet nicht. Nun ja, wie sagt man so treffend: der Mensch wächst mit seinen Aufgaben!
Und für jemanden, der immer Interesse an Neuem hat und immer wieder etwas lernen möchte, kommt solch eine Aufgabe wahrscheinlich genau recht.

Manch Einer könnte auch auf den Gedanken kommen: die ist doch fremd hier, wie kann sie über unsere Heimat schreiben?
Vielleicht gerade deswegen!
Vielleicht ist es ja nicht uninteressant, die Heimat auch einmal aus der Sicht eines nicht mehr ganz Fremden (in der neuen Heimat) zu erleben. Noch dazu, wenn er sich für die Geschichte seiner neuen Heimat interessiert.
Nicht nur Scheffel war von dieser wunderschönen Gegend beeindruckt und fühlte sich hier wohl.

Für mich war diese Wanderung eine interessante Erfahrung und Bereicherung – vielen Dank an Herrn Motschmann und Herrn Seitz. Nachfolgend mein Beitrag, geschrieben für den „Fränkischen Tag“.


Staffelberg

Wo Scheffels Schwermut schwand

Literarische Wanderung auf den Staffelberg mit Dipl.-Theol. Josef Motschmann

Im Rahmen des Sommerprogramms 2009 veranstaltete das Colloquium Historicum Wirsbergense e. V., kurz CHW, am Freitag, dem 24.7.2009 eine „LiteraTOUR“ zum Staffelberg. Treffpunkt war 18 Uhr auf dem Parkplatz am Friedhof in Bad Staffelstein.

Welch großes Interesse an dieser Wanderung bestand, zeigte sich an der Anzahl der Teilnehmer(innen). Ca. 50 Personen konnte Herr Dipl.-Theol. J. Motschmann begrüßen und auch der Vertreter des CHW, Herr Dr. Richard Seitz aus Bischberg, bekundete seine Freude über die rege Teilnahme. Nach einer kurzen Erläuterung zu diesem großen fränkischen Geschichtsverein, welcher alljährlich an rund 40 Orten weit über 100 Vorträge und Exkursionen veranstaltet, ging die erste von drei Etappen dieser Wanderung über die Autobahn in Richtung Staffelberg.


Beim ersten Halt

Auf dem kleinen Platz neben der Tafel 4 „Opalinumton und Hangrutsch“ versammelte sich die Gruppe zum ersten Halt um Herrn Motschman und er machte die Teilnehmer mit einigen Stationen aus dem Leben Joseph Viktor von Scheffel vertraut:

Scheffel wurde am 16.2.1826 in Karlsruhe geboren.
Bis 1843 besuchte er das Lyzeum seiner Heimatstadt. Im Anschluss studierte er auf Drängen des Vaters, einem badischen Offizier, in München, Heidelberg und Berlin Rechtswissenschaften. Scheffels künstlerischen Neigungen entsprechend, wäre er aber lieber Maler geworden.
1843 war auch der Beginn ausgedehnter Wanderungen und Fahrten, zunächst in die Alpen; 1845 auf der Reise von München nach Berlin auch ein Kurzaufenthalt am Obermain.
1854 verlässt er die Juristenlaufbahn, nachdem auf seiner Italienreise im Jahr 1853 sein im darauf folgenden Jahr veröffentlichter Epos „Der Trompeter von Säckingen“, entstand. 1855 gefolgt von dem historischen Roman „Ekkehard“. Beide Texte bildeten den Beginn von Scheffels Aufstieg zu einem der beliebtesten deutschen Schriftsteller. Zu seinen Wohnorten zählten München, Heidelberg, Donaueschingen. Reisen und längere Aufenthalte in Italien und am Bodensee.
Der Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar hatte ihn ermuntert, einen Wartburg-Roman zu schreiben. Um sich von den Anstrengungen seiner Vorstudien in Wien und Thüringen zu erholen, traf er am 11.7.1859 in Coburg ein und gelangte zu Fuß nach Schloß Banz. Scheffel war damals schwermütig und dieser Aufenthalt sollte seiner seelischen und körperlichen Gesundung dienen. Von seinen ausgedehnten Wanderungen nach Staffelstein berichtete er in eindrucksvollen Briefen seiner Mutter vom sonnenvergoldeten Maintal.

Nachdem die erste Etappe der Wanderung noch einem Spaziergang ähnelte, forderte der Weg zum zweiten Etappenziel das Wanderherz schon mehr. Etwas verborgen, neben dem Weg findet man das Scheffel-Denkmal.


Scheffel-Denkmal

Es ist ein großer Riffdolomit-Felsblock, welcher aus der Riffstufe des Staffelberges stammte. Ein Felssturz lies den Block bergabwärts, an den jetzigen Standort, rollen. Hier berichtete Herr Dipl.-Theol. J. Motschmann aus dem weiteren Leben Scheffels:

Der Dichter und Schriftsteller weilte im Sommer 1859 zwei Monate auf Kloster Banz. Seine Wandereindrücke durch das Maintal mit seinen Seitentälern schlugen sich in dem bekannten Frankenlied „Wanderfahrt“ nieder. Später wurde es vom Würzburger Chormeister Valentin Becker (1814 – 1890) volkstümlich vertont. In der 3. Strophe beschreibt er die Region um Bad Staffelstein als den “Gottesgarten am Obermain”. Die 4. Strophe ist auch auf dem Denkmal zu lesen.
Im Jahr 1860 erkrankte Joseph Viktor von Scheffel schwer. Danach lebte er in Karlsruhe.
Am 22.8.1864 heiratete er Caroline von Malzen, die Tochter des bayrischen Gesandten am badischen Hof in Karlsruhe. Im Jahr 1867 wurde sein Sohn Victor geboren, fast zeitgleich mit seiner Scheidung nach nur 3-jähriger Ehe.
1872 zog er sich in seine Villa am Bodensee zurück.
Als volkstümlichster Dichter der Zeit nach 1848 wurde Viktor Scheffel zu seinem 50. Geburtstag 1876 vom Reichskanzler Bismark und dem badischen Großherzog in den Adelsstand aufgenommen, seither „von Scheffel“.
Joseph Viktor von Scheffel starb im Alter von 60 Jahren, am 9.4.1886 in Karlsruhe.

Die letzte Etappe der „LiteraTOUR“ führte in einem steilen Anstieg auf das markante, weithin sichtbare Hochplateau des Staffelberges, der mit seinen 539 m über dem Meeresspiegel zu den beliebtesten Ausflugszielen der Region zählt.
Am Gipfelkreuz sangen die Teilnehmer(innen) der Wanderung gemeinsam alle sechs Strophen des Frankenliedes. Schöner kann das Obere Maintal, der „Gottesgarten“, wohl kaum beschrieben werden. Eine sehr interessante Wanderung, bei der Geist und Körper gleichermaßen auf ihre Kosten kamen.

©Christine Lindner für “Fränkischer Tag”


Die zahlreichen Teilnehmer(innen) der Literarischen Wanderung unter der Leitung von Dipl.-Theol. Josef Motschmann beim letzten Anstieg zum Staffelberg


Zum Abschluss der Wanderung sangen die Teilnehmer(innen) am Gipfelkreuz des Staffelberges gemeinsam das Frankenlied


„Gottesgarten-Blick“ - wohl einer der schönsten Fernblicke dieses Sommers


Die Teilnehmer(innen) auf dem Weg zur Adelgundiskapelle


Blick vom Hochplateau in Richtung Vierzehnheiligen


Auf dem Hochpateau


Adelgundiskapelle


Auf dem Weg unterhalb des Staffelberges


Unterhalb des Staffelberges - Blick ins Maintal und Kloster Banz

©Fotos Christine Lindner

Das Lied der Franken
1. Wohlauf die Luft geht frisch und rein, wer lange sitzt muss rosten; den allerschönsten Sonnenschein lässt uns der Himmel kosten. jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid der fahrenden Scholaren, ich will zu guter Sommerzeit ins Land der Franken fahren!
Valerie, valera, valerie, valera, ins Land der Franken fahren.
2. Der Wald steht grün, die Jagd geht gut, schwer ist das Korn geraten; sie können auf des Maines Flut die Schiffe kaum verladen. Bald hebt sich auch das Herbsten an, die Kelter harrt des Weines; der Winzer Schutzherr Kilian beschert uns etwas Feines.
Valerie, valera, valerie, valera, beschert uns etwas Feines.
3. Wallfahrer ziehen durch das Tal mit fliegenden Standarten; hell grüßt ihr doppelter Choral den weiten Gottesgarten. Wie gerne wär’ ich mitgewallt, ihr Pfarr’ wollt mich nicht haben! So musst ich seitwärts durch den Wald als räudig Schäflein traben.
Valerie, valera, valerie, valera, als räudig Schäflein traben.
4. Zum heil’gen Veit von Staffelstein komm’ ich empor gestiegen und seh’ die Lande um den Main zu meinen Füßen liegen. Von Bamberg bis zum Grabfeldgau umrahmen Berg und Hügel die breite, stromdurchglänzte Au ‘ ich wollt’, mir wüchsen Flügel.
Valerie, valera, valerie, valera, ich wollt mir wüchsen Flügel.
5. Einsiedelmann ist nicht zu Haus, dieweil es Zeit zu mähen; ich seh’ ihn an der Halde draus bei einer Schnittrin stehen. Verfahrner Schüler Stoßgebet heißt: Herr, gib uns zu trinken! Doch wer bei schöner Schnittrin steht dem mag man lange winken.
Valerie, valera, valerie, valera, dem mag man lange winken.
6. Einsiedel, das war mißgetan, dass du dich hubst von hinnen! Es liegt, ich seh’s dem Keller an, ein guter Jahrgang drinnen. Hoiho! Die Pforten brech’ ich ein und trinke, was ich finde. Du heil’ger Veit von Staffelstein, verzeih mir Durst und Sünde.
Valerie, valera, valerie, valera, verzeih mir Durst und Sünde.
J. Viktor von Scheffel
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