Archiv für Oktober 2009

Claudia Scheler (10)

Dienstag, 27. Oktober 2009

… die wichtigste Voraussetzung für Kreativität ist, sich selbst zuzutrauen, kreativ zu sein.
Malerei, Mitglied der KUNST und KULTUR INITIATIVE LICHTENFELS (KuKI) und KIS


Claudia Scheler in ihrem Atelier bei der Arbeit am Bild „Traumwege“ - ©Foto: Christine Lindner

Claudia Scheler wurde im April 1956 in Essen geboren. Gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester, Petra Schlienkamp sammelte sie auf dem Gymnasium in Essen erste Erfahrungen mit Farbe, Papier und Leinwand. Weitere Studien folgten an der Freien Kunstakademie Essen und anschließend in der Hofwerkstatt von Gabriele Musebrink in Essen. An diesem Ort für Kunst, Gesundheit und Begegnung fand sie die Atmosphäre und Lehrer, mit denen sich ihre künstlerischen Fähigkeiten und Kreativität weiter entwickeln konnten. In zahlreichen Workshops und Kursen erlernte sie die verschiedensten Techniken der Malerei.

Claudia Scheler absolvierte ein Betriebswirtschaftsstudium und arbeitete als Mitarbeiterin in den Bereichen Steuern und Vertrieb der RWE Energie-Zentrale. Auch dort ist es ihr mit großem Engagement gelungen, durch die ganzheitliche Förderung in der Hofwerkstatt mit Anregungen aus vielen anderen Disziplinen, persönliche Horizonte zu erweitern und Grenzen zu überschreiten.

Auf dem Weg, ihre eigene Kreativität zu entdecken, suchte sie verschiedene Möglichkeiten der Umsetzung. Fotografieren und Schreiben ließen sie jedoch immer wieder an Grenzen ihres Selbstausdruckes stoßen. Also begann sie die Welt der Malerei zu erkunden.

Ihre erste Ausstellung fand in Dortmund statt und wurde ein großer Erfolg. Sie trug den Titel “… aus dem Augenblick …”. Frau Scheler gab aber auch eigene Kurse in den Hofwerkstatt Essen mit dem Schwerpunkt der Selbsterforschung der eigenen Kreativität.

Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten und Freiräumen der Entfaltung und Entwicklung, führte der Weg Frau Scheler nach Coburg, wo sie ab 2001 lebte und arbeitete. Sie lernte ihren Mann kennen und zog 2003 zu ihm nach Lichtenfels-Schney. Durch ihre aufgeschlossene und lebensbejahende Art fand sie in ihrer neuen Heimat sehr schnell Kontakte und Gleichgesinnte. Sie gibt Kurse an der VHS und auf Wunsch kann man auch einen Privat-Kurs bei ihr buchen (Tel.: 09571-88779).

Im Sommer 2005 wurden ihre Bilder “… aus dem Augenblick …” in einer Gemeinschaftsausstellung auch im Stadtschloss Lichtenfels gezeigt. Im selben Jahr folgte ihr auch ihre Zwillingsschwester ins schöne Oberfranken. Beide stellten im Dezember 2005 ihre Bilder unter dem Titel “Spiegelbilder” in der Sparkasse Coburg-Lichtenfels in Lichtenfels aus.

Claudia Scheler arbeitet mit den verschiedensten Materialien aus der Natur - sie ist immer auf der Suche und hat sich zum Ziel gestellt, so viel wie möglich zu erlernen, um alles was sie weiß und kann weiter zu geben. Sie sieht sich als Teil der Gesellschaft und möchte all ihre Fähigkeiten einbringen. Auf diesem Weg kann man ihr nur wünschen, immer die Möglichkeiten zu haben, um ihre schier unbegrenzte Kreativität weiter auszuleben und auszudrücken.

Wie auch ihre Schwester, Petra Schlienkamp im Beitrag vom 2.9.2009, möchte sie den Leserinnen und Lesern etwas mitteilen: nicht verstecken, nie aufhören zu lernen und den Anschluss an eine Gruppe finden. Die gegenseitige Inspiration und der Austausch sind ganz besonders wichtig auf dem Weg der Weiterentwicklung der eigenen Kreativität und des Selbst, welches sich nicht nur auf diesen Bereich beschränkt, sondern sich auf alle Bereiche des Lebens ausdehnt.

Farben für dich
Ich wünschte, ich könnte Farben nehmen
und sie wie ein kühles, feuchtes Tuch falten,
dir zur Erfrischung.
Ich würde Blau auf deine Stirn legen.
“Psst, werde still”, würde das Blau sagen -
oder etwas anderes.
Ich würde Silber auf deine Augen legen.
“Hier, schau”, würde das Silber sagen -
oder etwas anderes.
Ich würde Gelb um dein Handgelenk wickeln.
“Hier, ich schenke dir Kraft”, würde das Gelb sagen -
oder etwas anderes.
Ich würde Rot um dein Herz hüllen.
“Hier, fühl”, würde das Rot sagen -
oder etwas anderes.
Ich würde die Farben bitten,
dich die ganze Nacht zu halten.
Ich wünschte, ich könnte die Farben nehmen
und dich damit kühlen und salben und besänftigen,
wo Feuer brennt
und du dich im Feuer selbst verletzt.
Ich wünschte, ich könnte die Farben nehmen
und die Narben glätten die einst Wunden waren,
für die du keinen Namen hast.
Claudia Scheler


„Einander zugewandt“ - Acryl - ©Foto: Christine Lindner

© Christine Lindner für „Fränkischer Tag“

„Kriegsende aus der Sicht eines Kindes“

Freitag, 09. Oktober 2009

Brita von Schönberg las im Stadtturm aus ihrem Buch „Anna, die Grenzgängerin“. Darin arbeitet die ehemalige Studienrätin ihre Erlebnisse, Flucht und Neuanfang, auf.

Zur Buchlesung am Mittwoch, dem 7. Oktober 2009 trafen sich zahlreiche interessierte Gäste im Stadtturm ein. Nicht nur passend zu den Feierlichkeiten, anlässlich 60 Jahre Bundesrepublik und 20 Jahre Mauerfall, verbunden mit dem Tag der Einheit, bot diese Veranstaltung etwas Besonderes. Organisiert in Zusammenarbeit von KIS und Stadtbücherei, hatte man ein Datum gewählt, welches auch noch der frühere Jahrestag der DDR war (Tag der Republik) und 60 Jahre DDR bedeuten würde (… wenn es sie noch gäbe).

In einer herzlichen Begrüßungsrede sprach Hermann-Heinrich Hacker, 1. Vorsitzender der Kultur-Initiative Bad Staffelstein (KIS) seinen Dank den Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei und Herrn Pauser, Leiter des Arbeitskreises Literatur aus, bevor er mit einem ganz besonderen Willkommen und Dank das Wort an Brita von Schönberg übergab. Frau von Schönberg ist Studiendirektorin im Ruhestand und ist seit einiger Zeit Bürgerin der Stadt Bad Staffelstein.

In ihrem Buch „Anna, die Grenzgängerin“ beschreibt sie ihre traumatischen Erlebnisse bei Kriegsende 1945 aus der Sicht einer Fünfjährigen. In verschiedenen Passagen ihrer Lesung stellt sie den Zuhörern Einzelheiten und Zustände der damaligen Zeit vor, die man sich heute kaum noch vorstellen kann.
Ausdrucksstark schildert sie Flucht und Neuanfang mit Mutter und Schwester. Die Gedanken und Sorgen über ihre jüngere Schwester Ilse, sie war damals gerade 1 ½ Jahre alt, und die große Angst, sie zu verlieren, denn Ilse konnte noch nicht sagen wer sie ist und so hätte auch kein Suchdienst des Roten Kreuzes helfen können.

Durch die Teilung Deutschlands wird ihre Familie getrennt. Die Autorin erfährt die politische und wirtschaftliche Realität des Nachkriegsdeutschlands in Ost und West.

Sie spricht über die Versorgungslage und erläutert ungeschminkt das Chaos, welches überall herrschte. Hausschneiderinnen hatten Hochkonjunktur - Patchwork aus alter Bettwäsche - das unvergessliche Gefühl gekräuselter Wolle in mehrfach verarbeiteten Stricksachen. Der Mangel wurde verwaltet mit Lebensmittelkarten, nach Farben für Gruppen sortiert. Es gab Bezugsscheine - wehe, wenn einer verloren ging. Statt Fleisch gab es Hering, statt Leberwurst gab es Hering, statt Schmalz gab es Hering … kein Wunder, wenn man eine Aversion gegen Hering entwickelte. Für Lebensmittelkarten musste man polizeilich gemeldet sein - usw.

Brita von Schönberg beschreibt die Zeit sehr lebendig und im Gesicht mancher Zuhörer kann man Nachdenken und bejahendes Nicken entdecken.

Sie erzählt über die Flucht im Juli 49 aus Sowjetzone und ihre weiteren Erfahrungen im Westen. Wie notwendig und wichtig das Führen eines Ausgabenbuches war, was sie schon bei ihrer Mutter gelernt hatte. Und von ihrer Zeit als Verkäuferin bei Karstadt und viele weitere Erfahrungen, wie sie sich durch Mangel auch selbst besser kennen gelernt hat.

Trotz allem gelingt es ihr - nicht zuletzt durch die Wende 1989 - ihre schweren Erlebnisse zu überwinden. Sie möchte allen Betroffenen Mut machen, sich mit ihrer eigenen Lebensgeschichte auseinanderzusetzen und daraus - wie sie - Gewinn zu ziehen. Sie sieht ihr Buch auch als ein Gedenkbuch und es soll Menschen ihres Alters helfen und Kräfte mobilisieren.

Nach der Lesung beantwortete Frau von Schönberg noch Fragen und signierte ihre Bücher.

©Christine Lindner für “Fränkischer Tag”


Ein Dankeschön für Brita von Schönburg - ©Foto Christine Lindner

Autoren-Porträt von Brita von Schönberg:
Brita von Schönberg wurde 1940 in Hildesheim geboren. Abitur 1960 in Wilhelmshaven. Sie studierte Germanistik und Alte Sprachen in Marburg, München, Tübingen und in Aix-en-Provence (Frankreich).
Von 1969 bis 1974 lehrte sie an der Gesamtschule Wolfhagen (Kreis Kassel). Für eine Tätigkeit im Lektorat für deutsche Sprache an der Universität Bangor (Großbritannien) wurde sie von 1974 bis 1977 beurlaubt. Bis die Studiendirektorin im Jahr 2000 in den Ruhestand eintrat, war sie an verschiedenen Gymnasien in Bayern und Sachsen tätig.


Brita von Schönburg im Gespräch - ©Foto Christine Lindner


Brita von Schönburg beim Signieren ihrer Bücher -
©Foto Christine Lindner

Brita von Schönberg
Anna, die Grenzgängerin
Versuch eines Kriegskindes, schwere Erlebnisse zu bewältigen.
Ein deutsch-deutsches Schicksal.
2009 - 200 Seiten - Pb.
Preis: 11,80 Euro
ISBN 978-3-89950-460-6
Verlag: edition fischer

Siegfried Meserth (9)

Mittwoch, 07. Oktober 2009

Die Natur inspiriert ihn
… ich male, was mir gefällt und lasse die Farben sprechen

Malerei, Mitglied der KUNST und KULTUR INITIATIVE LICHTENFELS (KuKI)

Siegfried Meserth wurde 1941 in Lichtenfels geboren. Er ist seiner Heimatstadt immer treu geblieben, ging hier zur Schule und absolvierte bei seinem Vater eine Lehre als Schuhmacher. Bereits während der Schulzeit war sein künstlerisches Talent und Kreativität zu erkennen. Sein eigentlicher Berufswunsch war daher Porzellanmaler. Leider konnte dieser Wunsch keine Umsetzung finden. Nach seiner Lehrzeit kam er 1963 zur Bundesbahn in Nürnberg.

Der Maler Siegfried Meserth ist Autodidakt und hat sich sein Wissen zum großen Teil im Selbststudium angeeignet. Auf dem Weg seiner ständigen Weiterentwicklung und professionellen Anwendung dieses Wissens und der Maltechniken, belegte er VHS-Kurse, ein Fernstudium an der Fernakademie „Famos Artist’s Schools“. Besonderen Stellenwert nahm die Zusammenarbeit mit namhaften Künstlern, wie Oskar Koller und Reinhard Zimmermann ein. 1982 wurde er in Nürnberg Schüler von Reinhard Zimmermann - ein entscheidender Einschnitt in seiner künstlerischen Entwicklung. Er gehört zu der bundesweiten BSW-Gruppen “Bildende Kunst”, in der viele Bahnbeschäftigte Freude an der künstlerischen Gestaltung und im Zusammensein mit Gleichgesinnten einen Ausgleich zum Berufsalltag finden. BSW ist das Bahn-Sozialwerk und in ganz Deutschland engagieren sich aktive und ehemalige Eisenbahner und Eisenbahnerinnen aller Alters- und Berufsgruppen, ob Anfänger oder Experte. Höhepunkte sind die Teilnahme an nationalen und internationalen Ausstellungen oder Wettbewerben.

Eine besondere Vorliebe hat Meserth für die Landschaftsmalerei, einer Gattung der gegenständlichen Malerei. Diese bietet dem Betrachter ein facettenreiches Bild von verwirrender Vielfalt und bezeichnet vor allem eine besinnliche Haltung zur Natur mit ihren vielfältigen und stimmungsvollen Aspekten.
So hat Siegfried Meserth ein reichhaltiges Oeuvre von mainfränkischen Ansichten gestaltet und der Gang durch Wohnung, Atelier und Treppenaufgang seines Hauses wird zu einem beeindruckenden Kunsterlebnis.

Seine Inspirationen und Ideen findet er bei Spaziergängen oder wenn er mit dem Fahrrad in der Natur unterwegs ist. Die gedanklichen Eindrücke sammelt er in kleinen Skizzen mit Vermerken zur Jahreszeit. Ob daraus einmal ein Bild wird, steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest.

Die Bilder aus neuer Zeit sind weitgehend vom Gegenständlichen gelöst und seine Entwicklung geht zur abstrakten Malerei. Rein abstraktes Malen ist ein Ordnen oder Komponieren mit Farben, Kontrasten, Linien und geometrischen Formen. Eine erkennbare Abbildung von Gegenständen ist nicht mehr vorhanden und bedeutet den Bruch mit dem fundamentalen Grundprinzip der traditionellen Malerei - der Objektbezogenheit. Aus der intensiven Beschäftigung mit der Farbe wurde für Siegfried Meserth eine sprühende „Formenwelt“ nicht real existierender Dinge und somit Bezugspunkt seines künstlerischen Schaffens.

Zu seinen weiteren Hobbys gehören Gitarre und Mundharmonika. Auch hier hat er sich als Autodidakt Technik und Wissen selbst angeeignet.

©Christine Lindner für “Fränkischer Tag”


„Blue“ - Acryl. Siegfried Meserth beim Arbeiten an seinem aktuellen Werk
©Foto: Christine Lindner

Helga Blomeier (8)

Montag, 05. Oktober 2009

… aus der Wahrnehmung etwas „Fassbares“ mit den Händen zu gestalten
Malerei, Gründerin der KUNST und KULTUR INITIATIVE LICHTENFELS (KuKI)

Helga Blomeier, Jahrgang 1958, wurde in Bayreuth, dem Regierungssitz Oberfrankens, geboren. Bereits seit ihrem 6. Lebensjahr gehören Basteln und jegliche handwerkliche Beschäftigungen zu den Hobbys von Frau Blomeier - und auch am Malen und Zeichnen hatte sie sich zu dieser Zeit bereits versucht. Dabei waren ihr persönliche Wesensmerkmale wie Fleiß, Hartnäckigkeit und das Streben nach Perfektion und Weiterentwicklung immer hilfreich und wichtig. Sie besuchte VHS-Kurse, um ihre Fähigkeiten zu schulen, Neues zu lernen und das Beste heraus zu holen.

Frau Blomeier verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Bayreuth und studierte nach Schule und Abitur an der Universität Bayreuth Romanische Sprach- und Literaturwissenschaft und Geografie.
Während des Studiums besuchte sie regelmäßig Malkurse bei Prof. Schmidt, um auch während der Ausbildung zum „Brotberuf“ weiterhin ihrer Leidenschaft zu frönen, sich neuen Herausforderungen stellen und sich stetig weiter zu entwickeln.

Bei einem dreimonatigen Auslandsaufenthalt in Mexiko als studentische Hilfskraft, konnte sie viele Erfahrungen und Eindrücke sammeln und ihre sprachlichen Kenntnisse erweitern.

1986 unterbrach sie das Studium und arbeitete als Sekretärin in einem Architekturbüro. In Heimarbeit war sie auch für eine Spielwarenfabrik tätig, bis ihr für zwei Jahre die Leitung der Abteilung für Puppenmalerei übertragen wurde.

1991 setzte sie ihr Studium fort und machte 1993 ihren Abschluss als Magister Artium.
Ihr Wunsch, nach dem Studium ins Ausland zu gehen, wurde bei der Bewerbung durch den Hinweis, dass bei einem ortsansässigen Bildungsträger Deutschlehrer für Ausländersprachkurse gesucht werden, in eine andere Richtung gelenkt und so arbeitete sie ab Oktober 1994 in der Erwachsenenbildung. Dann zog die Liebe Frau Blomeier nach Lichtenfels. Mit einem Lächeln sagt sie: „In Lichtenfels bin ich der Liebe wegen, nicht freiwillig!“

Bis 2003 arbeitete sie als Seminarleiterin in der Erwachsenenbildung bei verschiedenen Bildungsträgern, gab zahlreiche Sprach- und Malkurse an der VHS, aber auch Malkurse im Klinikum Bad Staffelstein, bevor sie ihren Hauptberuf aufgab und sich neuen Aufgaben widmete. Ihre kreative Laufbahn betreffend, stellte sie sich die Frage: was will ich machen? Antwort: Malen!

Sie hatte seit ihrer Jugend mit Öl und Gouache gemalt. Durch Experimentieren verlagerte sich ihre Vorliebe allerdings auf die Acrylmalerei.

Im Jahr 2004 beteiligte sie sich erstmals an der Jahresausstellung im Stadtschloss Lichtenfels. Diese Ausstellung fand im Zweijahresrhythmus, im Wechsel zwischen Stadt- und Landkreis Lichtenfels statt. Kunstschaffenden aus der Region wurde die Möglichkeit gegeben, ihre Arbeiten einem größeren Publikum vorzustellen und somit auch das Interesse an kreativer Betätigung zu wecken. Die positive Resonanz dieser Ausstellung motivierte Helga Blomeier zu weiterem Engagement und Einsatz.
Nachdem die Fortsetzung der Ausstellung ab 2006 aus organisatorischen Gründen in Frage gestellt war, erklärte sie sich 2007 zu einer Zusammenarbeit und Unterstützung bei der Organisation der folgenden Ausstellung bereit. Die hohe Beteiligung und das großes Interesse der Bevölkerung, nicht nur des Stadt- und Landkreises Lichtenfels, waren Grund genug, sich für die Weiterführung der Jahresausstellung einzusetzen. Die Ausstellung findet nun jährlich für die gesamte Region statt. Gleichzeitig nahm der Gedanke, eine Kulturinitiative in Lichtenfels zu gründen, Gestalt an. Die Einladung zum Gedanken- und Interessenaustausch an die Teilnehmer der Jahresausstellung 2007 wurde sehr positiv aufgenommen und zum 1. Treffen am 31.10.2007 wurde die Gründung der KUNST und KULTUR INITIATIVE LICHTENFELS (KuKI) beschlossen. Seitdem treffen sich die Mitglieder monatlich, veranstalten Workshops und Ausstellungen. Seit 2008 hat die Initiative ein Domizil für die Ausstellung ihrer Bilder und Skulpturen in der Galerie in der Spitalpassage gefunden.

Außer ihrem enormen Engagement für Kunst und Kultur ist Frau Blomeier stets mit großer Energie an einer kontinuierlichen persönlichen Weiterentwicklung ihrer Fähigkeiten interessiert.
Immer wieder spürt man im Gespräch, dass es sie drängt, ihrem ästhetischen Bedürfnis Form und Farbe zu geben. Mit ihren Bildern drückt sie ihr Innenleben aus und es geht ihr gut dabei. Sie ist neugierig, wie und was noch alles kommen wird. Die grundsätzliche Frage besteht für sie nicht darin „etwas“ mitzuteilen, sondern dem drängenden Bedürfnis, den ästhetischen Vorstellungen im Kopf mit den Händen Form zu geben. Dazu gehört die individuelle Wahrnehmungsverarbeitung, die im Bewusstsein der Künstlerin Vorstellungsbilder der Realität entstehen lassen. Somit ist ein Thema im Vorhinein zwar klar, doch was letztendlich daraus wird, ist im Entstehungsprozess noch offen. Es geht darum, aus der Wahrnehmung etwas „fassbares“ Sichtbares mit den Händen zu gestalten.
Nach ihrer Ansicht ist ein Porträt die “ideale Verbindung von zwei Personen”. Das Modell einerseits und der Maler, mit seiner Sinneswahrnehmung und der daraus entstehenden eigenen Sichtweise, das Gesehene auf die Leinwand zu bringen, andererseits.
Helga Blomeiers Streben nach Weiterentwicklung zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben, mit dem Wunsch der Perfektionierung und Vervollkommnung. So hat sie auch ein Leitsatz aus ihrer Schulzeit besonders beeindruckt: „Was Du auch immer tust, tue es weise und bedenke den Ausgang“.

An dieser Stelle sollte aber auch noch die intensive Beziehung von Frau Blomeier zu klassischer Musik Erwähnung finden. Gemeinsames Singen und die Unterhaltung mit Familie und Freunden waren Tradition in ihrem Elternhaus und gehörten zum Alltag. Mit 12 Jahren bekam sie das Klavier einer Tante, wodurch sie in der Lage war, die Musiktheorie aus der Schule endlich praktisch nachzuvollziehen. Wie das Malen begleitete sie die Musik auf ihrem weiteren Lebensweg.
Nach ihrem Umzug nach Lichtenfels war sie auf der Suche nach einem ortsansässigen Chor. Dank eines entsprechenden Hinweises der Nachbarin, fand sie relativ schnell den Kontakt zum Lorenz Bach Chor. Inzwischen ist sie auch Mitglied beim Dekanatschor Kronach.

Zum Abschluss dieses abwechslungsreichen Gespräches gibt mir Frau Blomeier noch eine interessante Bemerkung mit auf den Weg: „Singen ist die einzige Lebensäußerung, die mir ein positives Körpergefühl bringt. Es geht sofort in die Seele. Malen ist ein Grundbedürfnis, welches auch wehtun kann“. Dieser Satz beschäftigte mich noch eine ganze Weile – und sie hat Recht. In diesem Sinne kann man nur wünschen, dass sie noch viele Energiereserven für Kunst und Kultur zur Verfügung hat.

Teilnahme an Ausstellungen:
Jahresausstellung 2004 im Stadtschloss Lichtenfels
Jahresausstellung 2007 im Stadtschloss Lichtenfels
Jahresausstellung 2008 im Stadtschloss Lichtenfels
Eröffnungsausstellung „Best of KuKI”, 2008,
Galerie in der Spitalpassage, Lichtenfels
Ausstellung zur KuKI-Teilnahme am DAK-Wettbewerb „Flower for Life”, 2008, Galerie in der Spitalpassage, Lichtenfels
KuKI-Gemeinschaftsausstellung „Heimat”, 2009, Galerie in der Spitalpassage, Lichtenfels

©Christine Lindner für „Fränkischer Tag“


Helga Blomeier in ihrem Studio – ©Foto: Christine Lindner

„Dem Licht entgegen“ – ©Foto: Christine Lindner


„Alles fließt“ – ©Foto: Christine Lindner